Im Moment läuft es echt blöd für Volkswagen. Erst hat man viel zu lange gebraucht, um wirklich gute E-Autos herzustellen, und zwar in Preisbereichen, die sich der vielzitierte Otto Normalbürger auch leisten kann. Jetzt gibt es diese und schon bestellen die Kunden mehr als erwartet. Folge: Produktionsumplanungen, weil ganz wider Erwarten plötzlich weniger Verbrenner benötigt werden und dafür eben mehr E-Autos.
Der Kunde ist aber auch wirklich unberechenbar. Außer in China. Da konnte man sich eigentlich gut ausrechnen, dass der gemeine Landesbewohner am Ende lieber doch eine heimische Marke fährt, wenn die günstigere und womöglich sogar bessere Autos herstellt.
Um auf all diese Widrigkeiten zu reagieren, gibt es im VW-Konzern jetzt ein (weiteres) dickes Sparprogramm und damit auch jeder Mitarbeiter die Not erkennt, kündigt der Konzern noch gleich Tarifverträge. Das könnte ab Januar ungemütlich werden in Wolfsburg.
Derweil haben Millionen Fahrzeuge aus dem Konzern vielleicht eine Schraube locker, was für die Lenkung nicht ganz unerheblich ist. Das rostfreie Ersatzteil ist so schnell aber nicht in Millionenauflage zu bekommen. Das verbuchen wir mal freundlich unter Pech, passt aber gerade irgendwie ins Bild.
Kein Pech, aber sehr bezeichnend für den stolzen Konzern, war der Abstieg der Kicker vom VfL Wolfsburg. Die im hauseigenen Betrieb, pardon Verein, angestellten Fußballer gingen ihrer Tätigkeit überzahlt, aber untermotiviert nach und dürfen jetzt eben nur noch in der 2. Liga spielen, was auch nicht immer gut gelingt. Da passt es, dass die Bahn ab Januar nächsten Jahres die beliebte Zugstrecke Hannover-Berlin saniert und deshalb sperrt. Das vermeidet zwar manchen Witz, wenn der ICE am Bahnhof Wolfsburg mal wieder durchsaust, statt anzuhalten. Wolfsburg aber gleich ganz zu streichen, ist schon gemein von der Bahn, passt aber gut ins Bild einer Stadt, eines Fußballvereins und eines Konzerns, die allesamt gerade zweitklassig wirken.
Dass man in einer eigentlich ziemlich durchglobalisierten Welt ohne eigenes Verschulden schon mal blöd dastehen kann, zeigt sich gerade bei Mercedes. Die Schwaben betreiben große Werke in den USA und sind damit auch halbwegs gegen die Zoll-Tiraden von König Donald dem Letzten gefeit. Aber eben auch nur gegen diese.
Da die US-Regierung aber auch andere Menschen mit lustigen Ideen beschäftigt und obendrein Senatoren Gesetzesinitiativen starten können, ist man nie so ganz sicher. Jetzt könnte es zumindest theoretisch passieren, dass der Senat ein Gesetz beschließt, das Einfuhr und Verkauf von vernetzten Fahrzeugen untersagt, deren Hersteller zu mehr als 15 Prozent chinesische Eigentümer haben.
Da BAIC mit rund zehn Prozent an Mercedes beteiligt ist und auch Geely in ähnlicher Höhe bei den Schwaben investiert hat, ist die 15-Prozent-Marke klar gerissen. Der initiative Senator sagt zwar, man wolle auf keinen Fall den Verkauf von Mercedes-Fahrzeugen in den USA unterbinden, sein Gesetzesentwurf sagt aber etwas anderes. Nun gut, das ist Politik und die ist in den USA noch etwas sprunghafter als bei uns, solange …. Sie wissen schon.
Dagegen ist unsere Koalition aus CDU und SPD nachgerade ein Ausbund an Verlässlichkeit. Merz und Klingbeil halten, was sie ankündigen. Der Tankrabatt wurde versprochen und jetzt auch eingeführt. Egal was ungefähr alle Experten dazu sagen, egal was er den Staat kostet und völlig egal, dass er im Frühjahr schon mal nur so mittel funktioniert hat. Was ausgedacht wurde, wird auch gemacht. Nur nicht bei den Reformpaketen.
Wir wollen schließlich die Wirtschaft ankurbeln und da müssen vornehmlich Autos mit Verbrenner günstiger fahren können. Nur übelmeinende Menschen mit Taschenrechner kommen in diesem Zusammenhang auf die Idee, einmal zu schauen, was denn der vielzitierte Normalfahrer eigentlich davon hat. Wie es der Zufall so will, liegt hier gerade so ein altmodischer Taschenrechner herum.
Wenn man nun also einen Durchschnittsverbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometer annimmt und eine ebenso durchschnittliche Jahresfahrleistung von 12.000 Kilometer zugrunde legt, dann spart der Durchschnittsfahrer dank Tankrabatt von 17 Cent nicht ganz 12 Euro im Monat - den Gegenwert von drei Eis zu je zwei Kugeln - und auch nur dann, wenn Aral und Co. den Rabatt vollständig weitergeben, was ja höchst zweifelhaft ist. Wenn der vergleichbare Autofahrer ein E-Auto fährt, spart er aktuell gegenüber einem Verbrenner im Monat rund 100 Euro. Ohne Tankrabatt. Blöd für die Diesel- und Benziner-Fahrer, noch blöder eigentlich für diese erneut scheinbar frei von jeglicher ökonomischer und ökologischer Erkenntnis agierende Regierung.
Läuft irgendwie nicht in Berlin. Mal wieder. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

